Schlaf

Friedlich liegt sie neben mir und schläft. Ihre wunderschönen Augen sind geschlossen, zucken hin und wieder, im Traum. Ihr Haar liegt zerzaust auf dem Kissen, die Arme sind um mich geschlungen.
Draußen stürmt es. Sie schmiegt sich näher an mich, ich schlage behutsam die Decke um ihre nackten Füße. Sie schlummert seelenruhig weiter, während ich wach bin und an die vom Mond angeleuchtete Wand starre. Gespenstisch wirft der Apfelbaum, vor dem Haus, seine Schatten gegen sie.
Ich sehe einen Schwarm Spatzen, die sich um ein Stück Brot zanken, eine Hochzeit, einen Vater, der mit seinem Kind spielt.
Die Stille ist himmlisch. Kein lärmender Verkehr, kein Berufsstress, keine zankenden Nachbarn.
Langsam streicht meine linke Hand durch ihr dunkles, weiches, nach Pfirsich duftendes Haar. Ein Lächeln lässt ihre Mundwinkel kurz zucken. Meine rechte Hand verlässt den Schutz der Decke, bewegt sich langsam gen Boden.
Die Hand tastet, sucht und findet den Gegenstand. Langsam zieht sie sich wieder in die Wärme der Decke zurück. Der Gegenstand, ist an mein rechtes Bein gepresst. Er ist kalt. Eine leichte Gänsehaut fliegt wie ein Windhauch von oben nach unten, Richtung Fuß. Ein winziges Kribbeln folgt. Es kitzelt ein wenig.
Erneut bewegt sich meine rechte Hand. Sie kriecht zum rechten Zipfel der Bettdecke.
Dann geht es furchtbar schnell. Meine linke Hand packt ihr schulterlanges Haar, zieht es mit einem Ruck nach hinten, so dass ihr Hals freiliegt. Meine rechte Hand zuckt durch die Luft, ein kurzer Blitz, durch das Mondlicht, dass auf dem blanken Metall reflektiert, ist das Einzigste was zu sehen ist.
Ein Scheinwerfer, von einem Auto, erleuchtet schwach das Zimmer. Ihre wundervollen, großen, braunen Augen starren mich voller Angst an. Ich starre zurück, mit einem liebevollen Lächeln auf den Lippen.
Sie strampelt, doch meine rechte Hand fixiert sie fest umschlungen auf dem Bett. Ihr Keuchen und Ächzen verdrängt die Stille. Einer ihrer Arme, fegt durch die Spatzen an der Wand, knallt dem Bräutigam gegen das Bein und köpft Vater und Sohn.
Dann verschwindet der Arm, sinkt langsam auf das Laken zurück. Meine rechte Schulter wird warm. Ich stehe auf, säubere meine Schulter, ziehe mich an und blicke noch einmal auf das Bett.
„Verzeih mir“, flüstere ich und verschwinde in die Nacht.

Geschrieben 2002 von Christian Lafin